Sonntag, 17. Mai 2020

14. Mai 2020 - Barfussschuhe

Seit einer Weile informiere ich mich nun schon über Barfussschuhe. Was man so beachten sollte, welche Marken es gibt, wie diese beurteilt werden und wo man sie außerhalb des Internet bekommen könnte. 
Heute sollte es endlich zu einer Beratung ins Geschäft gehen, da gibt es eins an der Luther-Kirche in Dresden, dass auch verschiedene Marken anbietet. Wir werden wohl aber doch daheim bleiben, da wir auf ein Paket warten, also ich warte seit dem 30. April darauf. Nun gut, erstmal weiter im Text.

Gelernt habe ich bisher schon einiges. Es gibt ein ganz paar Accounts auf Instagram, die nicht nur Modelle vorstellen sondern auch Hilfestellungen geben bei der Wahl, des Schnitts und allgemeine erste Informationen. Ich verlinke unter dem Text alle Accounts, die mir geholfen haben und mir Informationen gaben.

Wichtig ist also, das die Zehenbox, also der vordere Teil des Schuhs schön breit und groß ist, damit die Zehen auch wirklich Platz haben sich zu entfalten. Hinzu kommt, dass die Länge sehr wichtig ist. Man benötigt bis zu 12 mm Abrollraum, wenn die Füße sehr genau gemessen werden, sollte man noch 12 mm hinzurechnen und danach die richtige Größe wählen. Das gilt auch für Nicht-Barfussschuhe. Wenn man seine Füße vermisst, sollte man auch bedenken, ob man in den Schuhen Socken tragen möchte. Diese sollte man beim Messen nämlich tragen.

Kommen wir zu den Socken: die üblichen Socken sind wirklich ungeeignet um den Zehen freien Lauf zu lassen. Der Schnitt ist häufig nach vorn schmal werdend. Die große Zehe hat vermutlich noch richtig Platz, aber die Kleine wird her an die anderen herangedrückt. Das habe ich mal ausprobiert, wie stehe ich, wenn ich keine Socken anhabe, wie verhalten sich meine Zehen und wie mit verschiedenen Socken. Sehr weite, alte Socken bieten oft schon mehr Platz, aber Barfuss sieht es eben doch anders aus.

Wie bin ich überhaupt zu diesem Thema gekommen? Mein Baby wird ja eines Tages hoffentlich Laufen Lernen, daher wollte ich mich zeitnah informieren, wie wir eine gesunde Entwicklung der Muskulatur, der Körperhaltung und eines guten Körpergefühl unterstützen können. Barfuss laufen, auch jetzt trägt er keine Socken, Strumpfhosen, etc mehr. Ich habe alles aussortiert. Damit die Füßchen warm bleiben draußen gibt es Stulpen darüber, denn dann können sich die Zehen noch immer frei bewegen und über die Trage kommt ja eh meist die Jacke drüber. Falls es doch mal zu kühl werden sollte, dann haben wir zwei dicke, weite, gestrickte Socken von den Uromas da. In denen kann er sich genauso frei bewegen, die Füße werden aber extra warm gehalten. Baby und ich lieben das. Ich schaue so gern seinen Zehen zu und er spielt und ertastet mit ihnen auch sehr viel.

Für mich habe ich schon eine Menge auch dazu mitgenommen. Ich laufe viel mehr barfuss, hauptsächlich in der Wohnung, oder auf Wiesen. Ich nehme meine Zehen und Füße ganz anders wahr und daher möchte ich gern Barfussschuhe haben. Es gibt doch zu viele Stellen, an denen ich nicht ohne Schutz an den Füßen unterwegs sein möchte, aber ich möchte mittlerweile nicht mehr meine Füße/Zehen einschränken.

Erwartungsvoll schaue ich also dem Schuhkauf entgegen. Das erste Mal in meinem Leben. Ich freue mich richtig darauf. Und, finde ich im Geschäft nicht, erhoffe ich mir einfach noch mehr Informationen, die ich umsetzen kann beim Kauf der Schuhe im Internet. 

Hoffen wir also, dass es die Tage dennoch klappt mit dem Schuhkauf.

Instagram-Accounts:

Kaufhilfen:

14. Mai 2020 - 5.20 Uhr ist das Neue um Neun

Seit Anfang dieser Woche startet mein Tag kurz nach fünf.

Am Sonntag entdeckte ich auf meinem aktuellen Lieblingsblog schriftsteller-werden.de, dass Jacky einen Live-Stream jeden morgen über Twitch teilt und man in dieser Zeit bewusst an seinem Projekt/Buch arbeiten soll und kann. Das wollte ich probieren. Mit der Arbeit an dem Buch komme ich nicht besonders gut voran, das liegt aber an meinen persönlichen Hemmungen und Ängsten etwas falsch zu machen. Und heute habe ich mich bewusst nicht unter Druck gesetzt und schreibe daher einen Blog-Artikel. Vllt auch zwei, denn im Kopf ist so einiges unterwegs.

Freitag, 10. April 2020

10. April 2020 - Dunkelheit im Kopf (von ca. 2016)

Ich habe einen alten Blogeintrag, aus meinem ersten Blog, wieder gefunden, den ich gerne mit euch teilen möchte. Ich glaube, ich habe ihn im Sommer 2016 verfasst:

"Viele Menschen haben davon geschrieben, erzählt und darauf aufmerksam gemacht und dennoch ist es ein Dunkel- und Tabu-Thema: Depressionen
Sie treten in unterschiedlichster Art und Weise auf, bringen andere Begleiterkrankungen mit und sind nie schön zu reden.
Jeder Patient erlebt sie anders, jeder Betroffene beschreibt sie anders und dennoch weiß jeder einzelne, dass es ein ständiger Kampf gegen sich selbst ist.
Ich möchte darüber schreiben, wie sie sich für mich anfühlen. Auf keinen Fall um Mitleid zu erhaschen, denn das macht es meist noch schlimmer. Ich möchte meine Empfindungen aufschreiben um vielleicht Freunden und Angehörigen beim Verstehen zu helfen und Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein und schon gar nicht schuld daran sind, sich zu fühlen, wie sie sich fühlen.

Depressive Episoden wurden bei mir vor sechs Jahren diagnostiziert, leider ist es dabei bisher geblieben, zumindest aus medizinischer Sicht. Ich sage leider, da man sich unverstanden, aber auch als Simulant fühlt. Man kämpft immer häufiger gegen diese dunklen Phasen, die von mal zu mal schwerer werden, aber die Ärzte reden nur von Episoden, als würde man es sich einbilden.
Es gab Tabletten, die mir die Möglichkeit geben sollten wieder durchzuschlafen. Was mir nicht gesagt wurde: es braucht vier bis sechs Wochen ehe sie ihre Wirkung zeigen, also hörte ich auf sie einzunehmen. Halfen ja doch nicht.
Dann gab es eine etwas bessere Phase und ich schwor mir, dass es nie wieder so schlecht werden würde. Was lag ich daneben. Es wurde schlechter. Die guten Tage/Wochen seltner und kürzer, bis ich an einem Punkt kam, an dem es nicht mehr ging. Ich unterbrach die Schule für etwas mehr als vier Monate um mich zu erholen. Ärztliche Betreuung in der Heimat ist sehr schlecht geregelt. Monatelange Wartezeiten und keine anderen Vorschläge für eine Therapie.
Ich begann wieder mit der Schule, in der Hoffnung, dass es nie wieder so enden würde ohne zu ahnen, dass der absolute Tiefpunkt erst ein paar Wochen später erreicht war. Von da an ging es auf einmal bergauf, aber richtig hoch.
Ich fand Freunde, die einfach da waren. Ich lernte zu leben, wie es ein junger Mensch in meinem Alter macht: Freunde, Schule und lange Abende mit viel Gelächter. Auch in dieser Zeit gab es schlechte Tage, aber es blieben einzelne Tage. Ich hatte einen Menschen gefunden, der mir ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermittelte, das ich bis dahin nicht gekannt habe.
Es kam wie es wohl kommen musste. Die Wege trennten sich unschön und mit einem gebrochenen Herzen. Und einem gebrochenen Menschen.
Das zusammengenommen der Jahre zuvor, erreicht nicht das Gefühl des letzten Jahres. Es war ein wandeln im Gefängnis Kopf. Nur selten gab es Freigang, der aber intensiv und gewaltig, dass das Gefühl wieder hinter den eigenen Gittern zu sitzen danach noch schlimmer wurde.
Mit dem Umzug in die Großstadt, einer besseren ärztliche Versorgung und dem Wunsch und Willen es unbeschädigt zu überstehen, suchte ich Hilfe. Der Psychiater verschrieb Tabletten um den Kopf ruhig zu stellen. Diesmal war ich schlauer und nahm sie lang genug. Oder ich war dümmer und nahm sie lang genug. Sie halfen nicht. Sie wirkten, aber halfen nicht.
Ich setzte sie selbstständig ab und traute mich endlich einer Psychologin zu schreiben. Die Kennenlernen-Termine verliefen gut, aber auf Grund ihrer Familienplanung verschiebt sich der Therapiebeginn auf den Oktober.

Die dunklen Phasen fühlen sich jedesmal anders an. Das letzte Jahr war für mich eine dauerhafte Phase, mit Unterbrechungen in denen ich wie auf Wolken schwebte. Durch die ich noch härter auf dem Boden aufprallte.

Es ist als wäre man in seinem Kopf gefangen. Man kommt nicht raus. Die Kraft fehlt. Man überlebt von einem Tag zum nächsten und hofft nur noch, dass einfach alles schnell vorbei sei. Man empfindet nichts aber auf Grund von Erziehung und sozialen Normen weiß man wie man sich in allen Situationen zu verhalten hat: dieses Programm spult man ab. Andere sollen so wenig wie möglich mitbekommen. Versteht ja doch keiner und es ist alles im Kopf, also nicht real. Man möchte niemanden Sorgen machen oder die Genugtuung gönnen; dass es einem schlecht geht. Man verkriecht sich, man verliert Sich. Man ist nicht mehr man selbst, obwohl man sich vielleicht nichts anderes wünscht. Und es gibt kein Ausweg. Kein bisschen Licht im Kopf, dass den Weg weist. Kein bisschen Hoffnung wieder im Leben anzukommen und zu leben. Einfach funktionieren und das Programm abspulen.

Begleitend bei mir kommt hinzu, dass ich unter sozialen Ängsten leide, die sehr stark ausgeprägt sind. Soziale Kontakte, die aus dieser Welt herausführen könnten, machen mir große Angst. Diese Angst ist lähmend und hindert daran Freunde zu finden. Die Angst ist so groß, dass ich abweisend und arrogant auf andere wirke. Obwohl ich ein freundlicher, fröhlicher und selbstloser Mensch bin.

Die Depressionen haben mir mein wahres Ich genommen und die sozialen Ängste haben dabei geholfen. Ich lachte gern, war leidenschaftlich und ambitioniert. Und nur mit viel Kraftaufwand kann ein kleines bisschen davon irgendwann wiederkommen. Daran glaube ich fest. Aber es ist ein Kampf gegen meinen eigenen Kopf. Gegen meine Gedanken. Gegen mich selbst.

Jeder Tag ist eine Herausforderung. Jeden Tag kämpfe ich gegen meine Unsicherheit und Angst. Jeden Tag kämpfe ich gegen die Anziehungskraft der Dunkelheit im Kopf. Oft, fast immer verliere ich, aber ich darf nicht aufgeben, denn dann bin ich für immer verloren. Und jeder klitzekleine Sieg lässt ausschnaufen und zeigt, dass es lohnenswert ist.

Mitleid macht es schlimmer. Man wird als Betroffener oft nur darüber identifiziert, aber die Depression ist der Krebs der Gedankenwelt und gehört niemals zu der gesunden Person.

Kennt oder liebt ihr Menschen mit Depressionen, unterstützt sie. Versichert Ihnen, dass sie sicher sind. Dass ihnen nichts passieren kann. Dass sie es schaffen können: seid einfach da und habt das Vertrauen in sie, dass sie selbst nicht haben.

Genießt die guten Tage mit ihnen gemeinsam, sie sind oft rar, aber kostbar.

Es ist anstrengend mit uns, aber es lohnt sich. Denn wir schätzen jede gute Minute. Wir lieben umso stärker die anderen und sind dankbar. Und wir wollen niemals eine Last sein, auch, wenn es sich für euch vielleicht anders anfühlt. Wir haben neben unserem schlechten Gefühl oft auch ein schlechtes Gewissen, dass wir euch damit reingezogen haben."

Sonntag, 29. März 2020

29. März 2020 - Aktiver Leben


Vor einer Weile habe ich mir eine Wunschliste gemacht für mein Jahr 2020. Ein Punkt darauf war aktiver Leben. Ich meine damit nicht nur Sport machen, sondern auch: nicht mehr den Tag bestimmen lassen, was passiert, sondern bestimmen was am Tag passiert.

Als ich die Liste schrieb, war ich voller Tatendrang und wollte alles sofort umsetzen. Pustekuchen, so viel stand mir im Weg: Michelles Krebserkrankung, Corona, Daisys urinieren in die Wohnung, der Alltag und mein Baby.

Gerade meinem Baby gebe ich indirekt die meiste Schuld: seinetwegen kann ich doch gar nicht planen, oder? Ich möchte ihm ja alle Bedürfnisse befriedigen und ihn glücklich machen, daher kann ich mir doch keinen Stundenplan bauen (wie ich es gerne machen würde für meine Tagesstruktur), aber das muss ich doch auch gar nicht.

Wer sagt denn, dass ich alles zeitlich begrenzen/einordnen muss? - Besser, wer außer mir sagt das? - Richtig, niemand.

Mein Gedanke also eben: warum nicht Struktur mit einem Tätigkeitenüberblick für den Tag schaffen ohne dabei Sohnemanns Bedürfnisse zeitlich benennen zu müssen.

Was ich damit meine: Ich überlege mir, was ich gern jeden Tag machen möchte. Diese Tätigkeiten bringe ich in eine mögliche Reihenfolge, passend zu meinen Erfahrungen, wie viel Energie ich habe und wie groß mein mögliches Zeitfenster dafür ist. Dabei bedenke ich, wann mein Baby wach sein kann oder besser schlafen sollte.

Ich erhoffe mir damit Aktiver zu Leben und am Abend das Gefühl gehabt zu haben, ich habe was geschafft und gemacht: auch für mich. Ich bin sehr gespannt, wie dieser "Plan" aussieht und, wie er sich für mich umsetzen lässt. Aber ich freue mich auch sehr darauf.

Mittwoch, 25. März 2020

25. März 2020 - Michelle und Daisys Tierarztbesuche


2020, 01. März
Unser Jahr 2020 begann damit, dass wir unseren Kater über die Regenbogenbrücke gehen gelassen haben. Er war schon alt und dement, die Trauer trotzdem groß.

Im Februar begannen die vielen Tierarztbesuche dann richtig: Ich bemerkte bei Michelle, dass eine Gesichtsseite angeschwollen war und tippte auf einen entzündeten Zahn. Mein Verdacht bestätigte sich, aber bei der Operation noch am selben Tag fiel dem Tierarzt auf, dass der Kieferknochen komplett zerstört war. Auf Verdacht schickte er entnommene Gewebeproben, von denen es nicht viel gab, in die Pathologie. Sein Verdacht bestätigte sich: Plattenepithelkarzinom. Michelle wird von einem untherapierbaren, bösartigen Krebs das Gewebe zerstört. Die Termin zur Nachkontrolle der Operationswunde endete mit dem Wissen, oder eher Unwissen, ob sie noch Tage, Wochen oder Monate haben wird. Jahre auf keinen Fall.
Meine geliebte Katze begleitet mich dieses Jahr sein 14 Jahren. Ich lebe mit ihr seit sie acht Wochen alt war und es kommt in meinem Kopf nicht an, dass ich mal ohne ihrer Gesellschaft meine Tage verbringen werde.
Hinzu fand der Tierarzt heraus, dass sie eine Schilddrüsenüberfunktion hat. Sie bekommt also ein Medikament für die Schilddrüse und täglich auch Schmerzmittel, weil sie ohne nicht fressen möchte. Sie aber nicht mehr Gewicht verlieren sollte.
Wir können nichts machen, außer jeden Tag, jeden Moment mit ihr genießen und auskosten. Wir verwöhnen sie mit Kuscheleinheiten und Futter. Freuen uns über jede vollständig gefressene Mahlzeit, ihr aktives Verhalten im Alltag und einfach an ihrem noch recht normalen Zustand. Niemand kann sagen, wie lange es noch so sein wird. Die Höhe der Tierarztrechnungen trüben aber die Stimmung. Nicht nur brachten sie die schlimmsten Nachrichten, sie belasten auch die finanzielle Situation sehr stark.

Unser Tierarzt hat uns aber diesen Monat auch ein paar Mal mit unserer Yorkie-Dame Daisy regelmäßig gesehen. Sie uriniert neuerdings in die Wohnung und hat sich an ein paar Tagen erbrochen. Das Erbrechen hat sich wieder gelegt, nachdem sie zwei Spritzen erhalten hatte. Das Urinieren ist noch immer aktuell und belastend. Ein Ultraschall hat den Verdacht einer Blasenentzündung, einer Gebärmutterentzündung oder Nierensteine nicht bestätigt. Laut Bildern, die von ihrem inneren gemacht wurden, ist organisch alles super. Es scheint also an Stress zu liegen. Zumindest konnte die Ärztin sich Daisys Verhalten nicht erklären.

Die Reihe an ungeplanten Tierarzt-Besuchen reduziert sich hoffentlich bald, aber die letzten liegen uns doch schwer auf der Tasche.

Mit Daisy ist im März eine Zahnreinigung geplant, bei der uns vermutlich auch ein paar Überraschungen erwarten. Es ist sehr wahrscheinlich die erste in ihrem zehnjährigen Leben. Hoffen wir, dass die Überaschungen nicht so gravierend schlimm sind, wie bei Michelle.

Es ist hart nicht zu wissen, wie es mit Michelle weiter geht und, wie lange sie noch bei uns sein wird.
Wir hoffen, Daisys Verhalten in den Griff zu bekommen.
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2020, 04. März
Der Tumor frisst sich nun durch den Knochen und wird auch von außen sichtbar. Er füllt den Gaumen zur Hälfte aus, ist damit sehr schnell gewachsen. Schmerzmittel, Antibiotikum, so viel Futter, wie Michelle möchte und ganz viel Liebe und Kuscheleinheiten begleiten uns nun.
Und heute morgen ist mir aufgefallen, dass nun auch ihr Nasenrücken aufreißt.. Es geht scheinbar noch viel schneller als gedacht. :(
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2020, 07. März
Daisy scheint gesund zu sein. Der Tierarzt findet nichts, dass für eine Erkrankung spricht. Sie bekommt nun sicherheitshalber einen Entzündungshemmer, falls sich doch die Blase leicht entzündet hat. Wir sollen ihr Verhalten weiter beobachten. Zeigt das Medikament keine Wirkung, dann gibt es wohl zwei Möglichkeiten: Beschützerinstikt oder Eifersucht. Wir haben ja einen drei Monate alten Sohn und entweder möchte Daisy ihn beschützen, dass sie keine Ruhe hat die Blase zu entleeren oder sie denkt, sie muss sich so die Aufmerksamkeit erarbeiten. In beiden Fällen werden wir wohl eine Hundetrainerin zu Rate ziehen (sie wohnt glücklicherweise eine Etage unter uns) und damit werden die Kosten noch einmal steigen.

Michelle's Schwellung wird nun immer größer im Gesicht. Sie frisst nicht mehr besonders gut und will auch die Medikamente nicht mehr so gerne nehmen. Mit Schlagsahne geht es aber noch gut runter. Die Wunde im Gesicht wird größer und die auf dem Nasenrücken auch.

Ich habe große Angst vor dem Tag an dem wir ohne sie vom Tierarzt nach Hause kommen. Ich weiß, er wird kommen und vermutlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aber es ist eine horrorvorstellung mich von meiner geliebten Michelle nach vierzehn Jahren endgültig trennen zu müssen. Das einzige was mir ein bisschen hilft, ist das Bild der Regenbogenbrücke auf deren andere Seite Twini und Aslak warten, die wir schon verabschieden mussten.
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2020, 17. März
Am Freitag, den 13. März, haben wir uns für immer von Michelle verabschiedet. Der Tumor brach fast durch den Gaumen durch und diese Qualen wollten wir ihr ersparen.

Übermorgen, am 19. März, werden Daisys Zähne gereinigt und die Narkose auch für eine Operation an den Tränenkanälen genutzt. Ich habe Angst, dass bei ihr nun auch was entdeckt wird, dass ihre Lebenszeit stark verkürzt.
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2020, 19. März
Daisys Zähne waren in einem sehr schlechten Zustand. Bei drei Stück war durch die Entzündung der Knochen zum Teil schon abgebaut, so dass die Wurzeln zur Hälfte frei waren.
Ihr wurden gesamt vier Zähne gezogen, zwei Backenzähne, und zwei Reißzähne wobei der zweite für ihre Sicherheit mit rausmusste. Ist so üblich, wenn das Gegenstück fehlt. Sie hat nun also vorne rechts keine Reißzähne mehr, weswegen ihr die Zunge raushängen könnte. Lernt so wohl aber noch, sie wieder reinzunehmen.
Die Tränenkanäle wurden gespült, damit sollte sich nun auch der Tränenfluss reduzieren. Ich bin sehr gespannt. Muss sie die Tage mal baden, weil man wieder deutlich sieht, wo die Nadeln reinmussten: das ganze Fell vom Blut verfärbt.

Sie erholt sich gerade gut von der Narkose. Aber es dauert wohl noch ein paar Stunden, ehe sie wieder ganz die Alte ist.

Dienstag, 17. März 2020

17. März 2020 - Michelle



Am 07. Februar waren wir mit Michelle beim Tierarzt. Sie hatte seit einer Weile ein tränendes Auge und eine leichte Schwellung im Gesicht. Davon schrieb ich ja am 15. Februar schon. (Unterstützung bei den Tierarztkosten)
Am 17. Februar gab es den pathologischen Befund: Plattenepithelkarzinom. Krebs. Ohne Behandlungs- oder gar Heilungsmöglichkeiten. Die Tierärztin sprach in einer Spanne von Tagen, Wochen und Monaten. Nicht einmal Jahre hat sie meiner Prinzessin gegeben.
Sehr schnell merkten wir, dass Michelle weniger fraß nach der anfänglichen Freude, dass die Zahn-OP ihr Schmerzen genommen hat.
Wir haben also Schmerzmittel gegeben und der Tierarzt hat sie dann jede Woche einmal im Maul kontrolliert. Man sah schon eine deutliche Schwellung des Gaumens, aber es schien noch vertretbar.
Als dann der Tumor durch den Knochen im Gesicht kam, wurde es sichtbarer und wirkte bedrohlicher. Die Wunde, so der Tierarzt, wird nie mehr abheilen. Mit Antibiotika-Gabe dämmten wir Entzündungsherde ein und ich sah den Gaumen beim Tablettengeben nun täglich. Nach einer Woche sollten wir wieder mit ihr vorsprechen. Das war am Dienstag, den 10. März. Mein Tierarzt ist ehrlich. Er sprach mit uns offen, dass wir uns von ihr verabschieden sollen. Sie nahm kontinuierlich ab, die Schwellung war fast an den Zähnen angekommen und er sorgte, dass der Gaumen irgendwann auch durchgefressen sein könnte, was ihr unerträgliche Schmerzen bringen würde.
Ich konnte all das immer noch nicht begreifen. Meine geliebte Michelle wird wirklich sterben. Zeitiger als mir je lieb war und ich mir je vorgestellt habe. Nach dem Tierarztbesuch sind wir mit ihr noch ins Fressnapf gegangen. Sie durfte nun wirklich alles fressen, Hauptsache sie fraß. Solche Abenteuer liebte sie ja. Da störte auch der strömende Regen nicht. Am selben Abend entschied ich: am Freitag erlösen wir sie.
Ich wollte ihr um jeden Preis qualvolle Schmerzen und großes Leid ersparen. Es ging ihr zusehend schlechter, Mittwoch hatte ich schon Sorge, dass sie den Donnerstag nicht überstehen würde. Sie erlebte den Freitag noch. Es war ein schöner Tag mit ihr: sie kuschelte viel, spielte sogar noch ein wenig, zeigte mir, wie sehr sie mir vertraute und fraß gut.
Ich hatte natürlich bedenken, aber ich wusste, es ist für sie die beste Entscheidung. Am Nachmittag waren wir mit Michelle im Hof. Sie konnte an der Leine sich umschauen, schnuppern. Der starke Wind machte ihr Angst, aber sie kam zu mir gerannt, in Sicherheit. Nach einer Weile gingen wir hinüber in die Praxis. Sie lief aufmerksam und mutig die Treppen hoch, schaute sich um. Sie hatte keine Angst. Sie wusste, ich bin bei ihr und alles wird gut. Auch in der Praxis schaute sie sich um, blieb aber in meiner Nähe. Sie hörte auf ihren Namen, war sofort bei mir, wenn ich ihn nannte. Im Behandlungszimmer war sie unsicher, aber ich war bei ihr und sie entspannte sich. Ihre Schmerzen hatten ein Ende. Sie schlief in meinen Armen für immer ein.

Noch immer ist es nicht wirklich bei mir angekommen. Wir haben die Wohnung "befreit" von allen Katzenzubehör. Noch nie habe ich mich so nackt und einsam gefühlt, obwohl die Wohnung ja bewohnt wird von meiner kleinen Familie. Nach fast 14 Jahren mit Michelle als beständige Mitbewohnerin bin ich nun katzenlos.

Michelle war meine Seelentrösterin, meine beste Freundin, der Grund, dass ich noch lebe. Sie kannte mich in und auswendig, genau wie ich sie. Wir wussten beide, was wir mögen und was uns unangenehm war. Sie war das schönste und reinste Wesen, dass ich kenne und gleichzeitig so stark, mutig und neugierig. Sie war eine Katze, wie ich sie nie vorher kannte. Ich bin dankbar für die Zeit mit ihr, aber auch dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte ihr Leid einzugrenzen und zu verhindern.
Sie fehlt mir so sehr in meinem Leben. Es sind kaum Tränen, die fließen. Es sind Gedanken, die wiederkommen, Träume, die mich quälen. Ihre Ruhe und ihr Mut haben mir immer geholfen, wenn es mir schlecht ging, nun muss ich all das in mir selbst finden. Nur wie, wenn ein wichtiger Teil meines Lebens fehlt, weg ist, für immer.

Ich vertraue darauf, dass ich jetzt die Stärke an anderer Stelle habe und, dass ich ohne sie mein Leben gut meistern werde. Ich habe viel von ihr gelernt. Und noch viel mehr habe ich sie geliebt. Meine Prinzessin.


17. März 2020


Jeden Tag das Gefühl haben nichts gemacht zu haben, dennoch ist der Tag vorbei und ich sehr erschöpft.

Ich würde so gern öfter schreiben, aber ich komme mit Baby einfach nicht wirklich dazu. Gerade schläft er. Vllt reicht die Zeit bis zum Essen für eine kleine Information.

Da ich nun nicht mehr oft schreibe, werde ich dem Datumsformat einen kurzen Titel hinzugeben bei kommenden Einträgen. Damit bleibt es chronologisch, Tagebuch-ähnlich, wie ich es möchte und dennoch kann ich je nach Zeit auch mehrere Einträge zu Themen, die mich beschäftigen verfassen.

Da kommt Oscar mit dem Mittagessen rein, also bis später eventuell.